Haferl, Damengedeck und Mong-Dratzal

Stand November 2026

Brauner Kaffeebecher auf einem Holztisch
Symbolbild, Foto von Jin He auf Pexels

Wer im Café am Kirchplatz neben der Basilika in Niederalteich die Speisekarte aufschlägt, liest zuerst Bairisch. Die Rubriken heißen Ebs Woams, Ebs Siaß oder Mong-Dratzal, und beim Kaffee steht die Tasse neben dem Haferl. Hier sind die Wörter der Karte erklärt, darunter das Haferl Kaffee und das Damen-Gedeck, jeweils mit Beleg, wo es einen gibt.

Auf einen Blick

Ebsetwas

HaferlTasse, bayrisch und österreichisch

Mong-DratzalKleinigkeit für den kleinen Hunger

KrenMeerrettich

Halbeein halber Liter Bier

Ebs heißt etwas

Fast alle Rubriken beginnen mit Ebs. Das Wort heißt im Bairischen etwas, Wikipedia führt es im Artikel über das Bairische als ebbs. Die Rubriken der Karte lesen sich deshalb so.

  • Ebs Woams, etwas Warmes, also Kaffee, Tee und heiße Schokolade
  • Ebs Siaß, etwas Süßes, das sind die hausgemachten Kuchen und Torten an der Theke
  • Ebs Koids, etwas Kaltes, also Bier, Wein, Limo und Schorlen
  • Ebs Eiskoids, etwas Eiskaltes, also Eis, Früchtebecher, Eiskaffee und Eisschokolade
  • Ebs Bsondas, etwas Besonderes, nämlich Aperol Spritz, Hugo Spritz und das Damen-Gedeck

In koid steckt eine typische Lautregel. Im Mittelbairischen, das laut Wikipedia auch in Niederbayern gesprochen wird, wird ein l nach einem Vokal zum i. Wikipedia nennt als Beispiele Hoiz für Holz und Woid für Wald. Genauso wird aus kalt koid und aus der Halben die Hoibe.

Das Haferl Kaffee

Ein Haferl ist laut Duden eine Tasse. Das Wort ist bayrisch und österreichisch und gehört in die Umgangssprache, scherzhaft heißt so auch ein Pokal. Es kommt von Hafen, im Süden ein Wort für einen Topf oder ein großes Gefäß. Die Endung -erl macht daraus etwas Kleines, so wie bei vielen bairischen Wörtern.

Auf der Karte steht der Kaffee als Tasse und als Haferl, das Haferl ist die größere Portion. Wie viel genau hineinpasst, steht dort nicht, und auch der Duden nennt keine feste Menge. Tee gibt es ebenfalls im Haferl.

Mong-Dratzal für den kleinen Hunger

Unter Mong-Dratzal stehen auf der Karte die Kleinigkeiten, also Wiener mit Senf, Kren und Brot, Weißwürste mit Senf und Brot und Toast mit Käse und Schinken, Tomate oder Thunfisch. Im ersten Teil hört man den Magen, bairisch Mong, im zweiten das Verb tratzen, das laut Duden necken heißt. Ein Mong-Dratzal neckt also den Magen, es ist etwas für den kleinen Hunger. Die Endung -al ist laut Wikipedia eine bairische Verkleinerung, entstanden aus -erl.

Das ganze Wort steht nicht im Duden, in Gebrauch ist es trotzdem. Die Abendzeitung stellte 2011 ein Lokal am Münchner Hauptbahnhof vor, das Mongdratzerl hieß und bayerische Kleinigkeiten in Tapasgröße servierte.

Für die Weißwürste gibt es eine alte Regel, sie sollen das Mittagsläuten um 12 Uhr nicht hören. Sie stammt laut Wikipedia aus der Zeit vor der Kühltechnik, heute bekommt man Weißwürste den ganzen Tag. Wer sich trotzdem daran halten will, hat am Sonntag Gelegenheit, dann ist schon ab 10 Uhr geöffnet.

Kren zu den Wienern

Kren ist laut Duden süddeutsch und österreichisch für Meerrettich. Das Wort hieß im Mittelhochdeutschen krēn oder chrēn und kam aus dem Slawischen. Wie beim Senf kann man in Österreich laut Duden auch zu etwas seinen Kren geben.

Halbe, Hoibe und Russnhoibe

Die meisten Biere auf der Karte kommen als Halbe. Eine Halbe ist laut Duden ein halber Liter, vor allem beim Bier, und das Wort ist besonders in Bayern und Österreich zu Hause. Auf Bairisch wird daraus die Hoibe.

Die Russnhoibe ist eine Halbe Russ, also Weißbier mit Zitronenlimonade. Wikipedia nennt für diese Mischung die Namen Süßer Russ, Russ, Russe, Russ’n und Russ’n-Maß. Woher der Name kommt, ist nicht sicher.

Am Münchner Mathäser erzählt ein Hinweis, in der Revolution 1918/19 habe man dort das Weißbier für die Soldatenräte, die das Haus besetzt hielten, mit Zitronenlimonade gestreckt. Daraus sei im Volksmund die Russenmaß geworden. Der Freitag berichtete 2018 von Zweifeln an dieser Geschichte, man erzählt sie also besser als Legende.

Das Stamperl

Den Schnaps gibt es im Stamperl. Laut Duden ist das bayrisch und österreichisch für ein Schnapsglas. Es kommt von stampern, also stampfen, gemeint war ursprünglich ein Glas, das man auf den Tisch aufstampfen kann.

Das Damen-Gedeck

Unter Ebs Bsondas steht das Damen-Gedeck. Auf der Karte am Kirchplatz ist es eine Prosecco-Bowle. Üblich ist unter diesem Namen sonst Sekt mit einem alkoholfreien Getränk.

Der Duden kennt das Damengedeck als Gedeck speziell für Damen und führt es ohne regionale Einschränkung. Ein Gedeck ist dort unter anderem ein Getränk oder eine Zusammenstellung von Getränken, wie man sie in einer Bar oder einem Nachtlokal serviert bekommt. In Berlin heißt laut Duden auch ein Glas Bier mit einem Glas Korn so.

Die ganze Karte gibt es als Speisekarte zum Ansehen. Wer wissen will, warum der Ort mit e und das Kloster mit a geschrieben wird, findet die Erklärung im Beitrag Niederalteich oder Niederaltaich. Ideen für einen ganzen Tag stehen unter Ein Sonntag in Niederalteich.

Kuchentheke im Café am Kirchplatz mit Torten in der Glasvitrine

Einkehr am Kirchplatz

Wer die Wörter gleich ausprobieren will, bestellt am Kirchplatz ein Haferl Kaffee und ebs Siaß dazu.

Geöffnet
Mittwoch, Freitag und Samstag 14 bis 20 Uhr
Donnerstag 14 bis 18 Uhr
Sonntag 10 bis 20 Uhr
Montag und Dienstag Ruhetag

Direkt neben der Basilika, bezahlt wird nur in bar.

Weitere Ausflugstipps

Ein Sonntag in Niederalteich

Gottesdienst oder Basilika am Vormittag, Kaffee und Torte ab 10 Uhr, dann an die Donau oder auf den Gunthersteig.